Der Sandmann

Nach der Erzählung von E.T.A. Hoffmann

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Der Sandmann

 

E.T.A. Hoffmann ist ein typischer Vertreter der "Schwarzen Romantik". Als Gegenbewegung zur Aufklärung und auch aus Enttäuschung über deren Scheitern im gesellschaftlichen und politischen Leben entstanden, sieht sie den Menschen von dunklen Mächten bedroht, die sein Schicksal bestimmen und ihn zerstören können. Gleichzeitig spielt sie aber mit satirischen Elementen und karikiert Fortschrittsglauben und Perfektionismus. Die Erzählung "Der Sandmann" gehört zu seinem Zyklus der Nachtstücke und greift die Tradition des Schauermärchens auf.

Nathanael, ein Student der Physik, im Herzen und von seinem Selbstverständnis her aber Dichter, erlitt als Kind eine Traumatisierung durch die Erzählung eines alten Ammenmärchens, in dem der Sandmann den unartigen Menschenkindern die Augen aushackt und sie den Eulenkindern zum Fraß gibt. Dieser Sandmann nimmt für ihn Gestalt an im alten und verschrobenen Advokaten Coppelius, der mit Nathanaels Vater nachts alchimistische Experimente durchführt. Der Vater kommt dabei ums Leben.

Nach langen Jahren bricht die Erinnerung an diese kindlichen Schrecken wieder durch, als der Student Besuch vom Wetterglashändler Coppola bekommt, in dem er einen Wiedergänger des Coppelius zu erkennen glaubt.

Clara, die vernünftige und bodenständige Verlobte versucht Nathanael davon zu überzeugen, dass das Böse, von dem er ergriffen zu sein glaubt, nur dann Macht über ihn erlangen kann, wenn er es zulässt.

Durch ein von Coppola gekauftes Perspektiv erblickt Nathanael schließlich Olimpia, die schöne Tochter seines Professors Spalanzani und wird in ihren Bann gezogen. Es scheint ein Geheimnis um sie zu geben, endlich präsentiert der Vater sie der Öffentlichkeit auf einem Ball. Nathanael hat sein Herz an die schöne Olimpia verloren und fällt in Wahnsinn, als er erkennen muss, dass diese nur ein "Automat", eine kunstvoll angefertigte Holzpuppe ist.

Nach einem halben Jahr aus dem Tollhaus entlassen, scheint er durch Claras Pflege gesundet, will sie heiraten und mit ihrer Familie aufs Land ziehen. Bei einem letzten Spaziergang durch die Stadt, besteigen die beiden den Rathausturm, Nathanael findet das Perspektiv wieder und wird beim Hindurchsehen wiederum vom Wahnsinn gepackt. In Raserei versucht er, Clara vom Turm zu stoßen und stürzt schließlich selber in den Tod.

Unsere Inszenierung versucht, den Stoff weiterzuspinnen bis in unsere heutige Zeit, ohne allerdings den Text von Hoffmann zu verändern. Sie greift Schauer- und Fantasyelemente auf, zitiert heutige Ausformungen des "Bösen" und stellt die Frage, wie unser Verhältnis zu heutigen "Automaten" ist, von denen wir umgeben sind, und die wir gedankenlos benutzen.

Besetzung

 

  • Regie Carola Moritz
  • Bühnenbild Atelier Fantômas
  • Kostüme Atelier Fantômas
  • Nathanael Gregor Andreska
  • Clara Annemarie Falkenheim
  • Lothar Sören Messing

Presse

 

Sköne Oke! - Feuerkreis dreh dich!
...E.T.A. Hoffmanns "Sandmann" zeigt bis heute, wie furchtbar uns die eigene Phantasie schreckt. Das funktioniert auch blendend in der kleinen, sorgfältigen Dramatisierung und Inszenierung von Carola Moritz in der Frankfurter Katakombe ... Moritz macht aus den jungen Studenten von damals junge Studenten von heute, Handys schnarren und Whats-Apps fliegen hin und her. Es ist nicht seltsam, wenn es darin heißt:"Ein dunkler Wolkenschleier ist über mein Leben gehängt", es ist vielmahr ausgesprochen jugendlich ... immer ist das Vergnügen zu sehen, eine Geschichte zu erzählen, die spannend genug ist ...
- 28.11.2014, Frankfurter Rundschau -

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